05. April, 2025

Märkte

Zollstreit treibt US-Staatsanleihen: Ein riskantes Spiel mit Auswirkungen auf Zinssätze

Die andauernden globalen Zollkonflikte zeigen eine unerwartete Nebenwirkung auf den Finanzmärkten: Sie treiben die vermeintlich stabilen US-Staatsanleihen nach oben. Der Terminkontrakt für die zehnjährigen T-Note-Futures verzeichnete einen Anstieg von 0,80 Prozent und erreichte 113,52 Punkte, während die Rendite auf 3,93 Prozent fiel. Aufgrund der erschütternden Ereignisse in der internationalen Handelspolitik werden US-Staatsanleihen vermehrt als sicherer Hafen gesucht.

Bereits am Donnerstag zeigte sich die Auswirkung der von den USA initiierten aggressiven Zollpolitik. Die Ankündigung einer deutlich strikteren Herangehensweise an globale Handelsbeziehungen führte zu einem sprunghaften Anstieg der Anleihekurse. Ein promptes Gegenmittel folgte: China konterte mit Gegenzöllen von 34 Prozent auf US-amerikanische Importe, die ab dem 10. April in Kraft treten sollen. Darüber hinaus hat Peking elf US-Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, wodurch der Handel dieser Unternehmen mit China praktisch unterbunden wird.

Die Perspektiven für die US-amerikanische Wirtschaft wirken hingegen zunehmend trüb. Anstelle von Inflationsängsten treten nun stark abnehmende Konjunkturaussichten in den Vordergrund. Erwartet wird eine deutliche Konjunkturabkühlung. Prognosen deuten auf vier bevorstehende Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten hin, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden könnten.

Jerome Powell, der Vorsitzende der Federal Reserve, äußerte sich kritisch zu den neuen Zollmaßnahmen unter der Regierung von Präsident Trump, die seiner Meinung nach sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Inflation negativ beeinflussen könnten. "Die Unsicherheit bleibt bestehen, aber es besteht die Gefahr, dass die wirtschaftlichen Folgen härter ausfallen als erhofft", kommentierte Powell. Trotz dieser Einschätzung ist Präsident Trump nicht gewillt, präventiv die Zinsen zu senken.

Ein kürzlich veröffentlichter robuster Arbeitsmarktbericht für März ließ die Märkte unbeeindruckt. Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bemerkte, dass ein solch positiver Bericht selten so unbeachtet blieb. Parallel dazu prognostiziert der Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner eine Abkühlung der Arbeitsmarktentwicklung. Steigende Kosten sowie eine sinkende unternehmerische Zuversicht könnten die Bereitschaft zu Neuengagements erheblich dämpfen, bemerkte Weidensteiner lakonisch.