05. April, 2025

Märkte

Wiener Börse unter Druck: ATX erlebt deutlichen Rückgang am Freitag

Der Wiener Aktienmarkt setzte am Freitag den Abwärtstrend der vergangenen Tage fort und intensivierte die bereits spürbare Negativentwicklung. Die kürzlich von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zollmaßnahmen haben weltweit für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Die Situation erhielt eine neue Brisanz durch Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung, die die Stimmung an den Börsen weiter verschlechterten. Besonders stark betroffen zeigte sich der österreichische Leitindex ATX, der um dramatische 5,95 Prozent auf 3.762,81 Punkte fiel. Dies markiert den höchsten Tagesverlust seit den Bankenkrisen im März 2023.

Im europäischen Vergleich zeigte sich der Abwärtstrend in Wien besonders deutlich, da Bankaktien hier einen starken Einfluss ausüben. Der wöchentliche Verlust von 9,9 Prozent stellt die schlechteste Performance seit der russischen Offensive in der Ukraine 2022 dar. Charttechnische Experten schlagen mittlerweile Alarm, denn ein Rückgang von über 13 Prozent seit dem Mehrjahreshoch Mitte März signalisiert einen Eintritt des Index in den Korrekturbereich. Dadurch sind die Gewinne des laufenden Jahres nahezu vollständig verloren gegangen. Auch der ATX Prime verzeichnete einen deutlichen Rückgang von 6,08 Prozent auf 1.888,16 Punkte.

Als Reaktion auf Chinas Zölle in Höhe von 34 Prozent auf US-Importe warnte Analyst Carsten Brzeski von der Bank ING vor einer Eskalationsspirale im Handelskonflikt, die letztlich auch andere Länder, darunter möglicherweise die EU, mit einbeziehen könnte. Salah-Eddine Bouhmidi, ein Experte vom Broker IG, sprach in Anbetracht der Marktverwerfungen von einem "Schwarzen Freitag" und betonte die Gefährdung des Marktvertrauens.

Zwar fielen die US-Arbeitsmarktdaten stabiler aus als erwartet, doch angesichts der anhaltenden Zollsorgen verblassten diese positiven Nachrichten und fanden kaum Beachtung. Im Bankensektor verloren prominente Vertreter wie Erste Group und Bawag erheblich, um 7,5 Prozent beziehungsweise 8,1 Prozent. Banken stehen nun vor der Herausforderung, ein langsam wachsendes Umfeld, steigende Risikoprämien und sinkende Zinsmargen zu navigieren — ein Szenario, das zusätzlich durch mögliche Zinssenkungen der Zentralbanken verschärft werden könnte.

Zyklische Werte, die in den ersten Monaten des Jahres auf Gewinne hoffen durften, gerieten unter Druck. So büßten Porr 7,5 Prozent und Strabag sogar 10,4 Prozent ein, obwohl sie im ersten Quartal noch als Vorreiter des österreichischen Markts galten. Unterdessen zeigte sich Telekom Austria mit einem moderaten Minus von 1,6 Prozent relativ stabil und stach dadurch als stärkster Titel im ATX hervor.

Ein besonders schwerwiegender Rückschlag ereilte Pierer Mobility, deren Aktien um beeindruckende 28 Prozent auf 13 Euro fielen. Der drastische Verlust der Hälfte des Grundkapitals führt dazu, dass eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. April einberufen werden muss. Auf der Tagesordnung steht eine mögliche Barkapitalerhöhung mit einem geplanten Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Aktie, um die finanzielle Stabilität des Unternehmens zu sichern.