03. April, 2025

Wirtschaft

US-Zollpolitik: Deutsche Wirtschaft rechnet mit geringeren Auswirkungen als prognostiziert

Die bevorstehende Ankündigung neuer Zollmaßnahmen durch den US-Präsidenten Donald Trump wird in wirtschaftlichen Kreisen der deutschen Industrie mit erhöhter Vorsicht betrachtet. Auf den ersten Blick könnten diese Maßnahmen als eine erhebliche Bedrohung für die deutsche Wirtschaft wahrgenommen werden. Doch aktuelle Berechnungen des renommierten ifo Instituts aus München zeigen, dass die tatsächlichen Auswirkungen auf die deutschen Exporte möglicherweise weniger gravierend ausfallen könnten als bisher befürchtet.

Die Handelsexpertin Lisandra Flach vom ifo Institut hebt hervor, dass theoretisch über die Hälfte der deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten von den neuen Zöllen betroffen sein könnten. Dennoch wird erwartet, dass der tatsächliche Rückgang der deutschen Exporte wesentlich geringer ausfallen könnte. Ohne Gegenreaktionen der Europäischen Union könnte der Export lediglich um 2,4 Prozent sinken. Sollten jedoch Vergeltungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, könnte dieser Rückgang auf etwa 3 Prozent ansteigen. Diese Zahlen sind jedoch weit entfernt von den anfangs befürchteten Verlusten von rund 20 Prozent, die im Raum standen, falls pauschale Zölle eingeführt würden.

Frühere Simulationen des ifo Instituts, die stärkere Zöllexpansionen – mit 60 Prozent auf chinesische Waren und 20 Prozent auf andere global gehandelte Güter – in Betracht gezogen hatten, prognostizierten einen wesentlich drastischeren Rückgang von rund 15 Prozent. Der Grund für die vergleichsweise gedämpften Auswirkungen auf den Handel liegt in der relativ kleinen Lücke zwischen den Zöllen der Vereinigten Staaten und denen der Europäischen Union, die im Durchschnitt nur 0,5 Prozentpunkte beträgt.

Besonders die deutsche Automobilindustrie steht im Fokus, da sie neben der Bekleidungs- und Textilbranche potenziell am stärksten getroffen werden könnte. Dennoch betrachten die Münchner Wirtschaftsforscher auch positive Szenarien: Sollten die USA tatsächlich ihre Zölle auf das Niveau der EU absenken, könnte dies zwar die Volumen der Exporte schmälern, jedoch die Wertschöpfung innerhalb Deutschlands fördern.

Das ifo Institut geht sogar noch weiter und prognostiziert, dass eine Angleichung der Zölle auf ein niedrigeres Niveau zu einem Anstieg der Exporte sowie zu einer gesteigerten nationalen Wertschöpfung führen könnte. Trotz dieser optimistischen Projektionen bleibt die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Zollsenkung aufseiten der USA jedoch gering.

Abschließend betont Lisandra Flach die Bedeutung diplomatischer Verhandlungen, um die negativen möglichen Effekte eines Handelskonflikts abzumildern. Sie beschreibt die neue Zollpolitik des US-Präsidenten als einen „Frontalangriff auf die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung“ und weist darauf hin, dass eine lösungsorientierte, diplomatische Herangehensweise unerlässlich für die Stabilität der internationalen Handelsbeziehungen ist.