05. April, 2025

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Turbulenzen bei deutschen Immobilienaktien: US-Arbeitsmarktbericht und Morgan-Stanley-Analyse belasten Papiere

Turbulenzen bei deutschen Immobilienaktien: US-Arbeitsmarktbericht und Morgan-Stanley-Analyse belasten Papiere

Die Aktien deutscher Immobilienunternehmen gerieten am Freitag nach Bekanntgabe eines überraschend stabilen US-Arbeitsmarktberichts und einer kritischen Branchenstudie der US-Bank Morgan Stanley unter erheblichen Druck. Schon am Vortag hatten insbesondere Papiere aus diesem Sektor nach der ersten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit 2019 an Wert verloren. Konkrete Zusagen für weitere Zinssenkungen blieben jedoch aus, was Investoren verunsicherte.

Kurz vor dem Wochenende fielen die Aktien von Vonovia um 6,5 Prozent und weiteten damit ihre Verluste nach den robusten US-Jobdaten noch aus. "Die Kombination aus überwiegend robustem Arbeitsmarkt und gleichzeitig hohem Lohnwachstum könnte die US-Notenbank Fed noch länger von Zinssenkungen abhalten", kommentierte Thomas Altmann von QC Partners. Besonders Immobilienkonzerne leiden stark unter dem hohen Zinsniveau.

Zusätzlich hatte Morgan Stanley den Dax-Konzern Vonovia auf "Underweight" heruntergestuft. In der Folge rutschte Vonovia in der Jahresbilanz erneut ins Minus und entfernte sich weiter von der 21-Tage-Linie, einem Indikator für den kurzfristigen Trend. Seit dem Tief im März 2023 hatte sich der Börsenwert von Vonovia allerdings auch verdoppelt.

Für LEG strich die US-Bank ihre Kaufempfehlung und setzte die Bewertung auf "Equal-Weight" herab, was einen Rückgang der Aktien um 4,3 Prozent zur Folge hatte. Auch TAG Immobilien wurden in den Abwärtsstrudel gezogen und verloren 3,3 Prozent. Die Aktie von Aroundtown fiel ebenfalls um 2,1 Prozent.

Morgan-Stanley-Analyst Bart Gysens führte an, dass nach der jüngsten Zinssenkung der EZB zunächst kaum Chancen auf einen weiteren Kurstreiber bestünden. Er verwies darauf, dass es nach dem bisherigen Anstieg der Aktienkurse sinnvoll sein könnte, Gewinne zu realisieren. Das Chancen-Risiko-Verhältnis sei in anderen Bereichen des Immobiliensektors, insbesondere in Großbritannien, deutlich attraktiver als bei deutschen Wohnimmobilien-Aktien.

Generell reagieren Immobilienwerte besonders sensibel auf geldpolitische Entscheidungen. Investoren hatten auf klarere Signale bezüglich der künftigen Zinspolitik der EZB gehofft, doch EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die Notenbank weiterhin datenabhängig agieren werde. "Dies schließt eine weitere Zinssenkung vor September praktisch aus", kommentierte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank.

In den USA wird ebenfalls erst später im Jahr mit Zinssenkungen gerechnet. Die robusten Jobdaten dürften die Fed nicht zu einer Eile veranlassen, schrieb Ralf Umlauf von der Helaba. "Die Zinssenkungserwartungen werden auch für den weiteren Jahresverlauf nochmals gedämpft." Kommende Woche steht die nächste Zinsentscheidung der Fed an, wo Umlauf eine Zinssenkung für nahezu ausgeschlossen hält.

Hohe Zinsen erschweren den Immobilienkonzernen das Geschäft auf zweierlei Weise: Zum einen verteuern sie die Refinanzierung am Kapitalmarkt. Zum anderen werden Verkäufe von Beständen tendenziell schwieriger.