04. April, 2025

Börse

Tesla bei 2.600 Dollar?

Trotz Kursverlusten von über 35 Prozent in diesem Jahr sieht Starinvestorin Cathie Wood enormes Potenzial bei Tesla. Ihre Prognose: Eine Verzehnfachung des Aktienkurses. Doch viele Analysten winken ab – aus guten Gründen.

Tesla bei 2.600 Dollar?
Hoch hinaus? Cathie Wood hält an ihrer 2.600-Dollar-Prognose für Tesla fest – trotz massiver Kursverluste im laufenden Jahr.

Hoffnungsträger trotz Absturz

Elon Musks Unternehmen verliert an der Börse, aber nicht in Cathie Woods Weltbild. Während der Elektroautobauer seit Jahresbeginn fast 36 Prozent an Wert verloren hat, sieht die ARK-Invest-Chefin Tesla auf direktem Weg zur Kursverzehnfachung. 2.600 US-Dollar in fünf Jahren – das sei „realistisch“, so Wood beim HSBC Global Investment Summit in Hongkong.

Was wie eine provokante Zahl klingt, ist für Wood eine strategisch begründete Langfristsicht: Tesla sei kein Autohersteller, sondern ein KI-Konzern mit enormem Skalierungspotenzial im Robotaxi-Markt.

Robotaxis als Milliardenversprechen

Für Wood ist das sogenannte Robotaxi-Geschäft der eigentliche Wachstumskern. Bis 2030 sollen laut ihrer Prognose rund 90 Prozent von Teslas Unternehmenswert aus diesem Bereich stammen. Sie glaubt an einen Durchbruch bei autonomen Fahrdiensten – angeführt von Tesla. Und sie sieht wenig echte Konkurrenz.

China? Zu zaghaft. BYD, der aktuelle Marktführer bei reinen Elektroautos, nutze den Moment nicht, so Wood. Waymo und andere? Technologisch nicht auf Augenhöhe.

Dass Musk selbst noch keinen marktreifen Robotaxi-Service präsentiert hat, scheint Wood nicht zu stören. Ihre These: Der Markt kommt – und Tesla wird bereit sein.

Auch humanoide Roboter sind Teil des Plans

Noch optimistischer wird Wood, wenn sie über Teslas geplanten humanoiden Roboter „Optimus“ spricht. Auch dieser sei ein zukünftiger Wachstumstreiber – allerdings sei er in der aktuellen Bewertung noch gar nicht enthalten.

Fazit: Wer sich auf die Sichtweise von ARK Invest einlässt, muss Tesla als Tech-Plattform für Autonomie und KI begreifen – nicht als Fahrzeugbauer mit Produktionsproblemen.

Zukunftsfantasien inklusive: Woods optimistisches Szenario basiert vor allem auf dem Erfolg künftiger Robotaxi-Flotten.

Der Markt reagiert: skeptisch

Die Anleger an der NASDAQ sehen das anders. Der Tesla-Kurs liegt derzeit bei rund 260 US-Dollar – meilenweit vom Allzeithoch entfernt und Welten unter Woods Zielmarke. Die jüngsten Absatzzahlen aus China und Europa enttäuschen, auch die Nachfrage in den USA stagniert.

Hinzu kommen Sorgen über Elon Musks politische Nähe zu Donald Trump, anhaltende Rechtsstreitigkeiten sowie Rückschläge bei Softwareupdates fürs autonome Fahren. Analysten sehen Tesla deshalb eher bei 335 Dollar in den nächsten zwölf Monaten – das wären immerhin 28 Prozent Plus, aber kein Quantensprung.

ARK bleibt schwer investiert

Trotzdem bleibt ARK Invest schwer in Tesla engagiert. Im Flaggschifffonds ARKK ist der Anteilsschein mit 11,67 Prozent die größte Einzelposition. Rund 593 Millionen Dollar hält ARK aktuell in Tesla-Papieren. Das macht Wood zum prominentesten Tesla-Bullen unter den institutionellen Investoren.

Die Strategie erinnert an ihre Positionierung in den Jahren 2020/2021 – als Tesla tatsächlich Kursraketen zündete. Damals bewies Wood ein gutes Gespür für Timing. Ob sich das wiederholt, ist allerdings alles andere als sicher.

Eine Wette mit Risiko – und religiösem Eifer

Was Cathie Woods Prognosen so besonders macht, ist weniger der Inhalt als die Konsequenz. Während viele Investoren nach dem Absturz vorsichtiger geworden sind, bleibt sie bei Tesla beinahe dogmatisch optimistisch. Ein Glaube, der im Tech-Sektor manchmal belohnt wird – aber genauso oft teuer wird.

Woods Sichtweise fordert heraus: Sie denkt nicht in Quartalen, sondern in Dekaden. Und sie setzt auf die Annahme, dass Regulierung, Technik, Nachfrage und Finanzierung für Teslas Robotaxi- und KI-Fantasien sich im Gleichklang entwickeln.

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