ServiceNow, Adobe, Salesforce – sie alle stehen sinnbildlich für das Versprechen des digitalen Fortschritts. Und für den Abgesang. Seit Jahresbeginn haben einige der prominentesten Software-Titel zweistellige Kursverluste verzeichnet.
Der Grund: politische Eingriffe, wirtschaftliche Sorgen, und eine KI-Revolution, die derzeit eher Schlagzeilen produziert als Umsatz. Doch während Anleger nervös verkaufen, wittern einige Analysten genau jetzt Einstiegschancen.
DOGE als Dämpfer
Der Auslöser für den jüngsten Kursrutsch ist ausgerechnet eine neue Behörde: das „Department of Governmental Efficiency“ – kurz „DOGE“. Der Name klingt harmlos, doch für Softwareanbieter wie ServiceNow bedeutet die neue Sparpolitik harte Realität.
Die Regierung will ihre Verwaltungsapparate verschlanken, Mitarbeiter abbauen und Prozesse zentralisieren. Für Softwareunternehmen, die pro Nutzer abrechnen, ist das ein akutes Risiko.
ServiceNow etwa erwirtschaftet fast zehn Prozent seiner Umsätze mit US-Behörden. Wenn diese Kunden sparen, sinken die Lizenzeinnahmen – zumindest kurzfristig. Seit Januar hat die Aktie fast ein Viertel an Wert verloren.
KI-Erwartungen treffen auf die Realität
Ein zweiter Belastungsfaktor: die überhöhten Erwartungen an künstliche Intelligenz. Viele Investoren hatten gehofft, dass KI bereits 2024/25 die Umsätze der Branche explodieren lässt. Doch noch fehlt vielerorts der kommerzielle Durchbruch.

Salesforce etwa setzt große Hoffnungen in seine neue KI-Plattform „Agentforce“. Doch die Bernstein-Analysten bremsen die Euphorie. Die Technologie sei spannend – aber noch weit entfernt davon, ein echter Wachstumstreiber zu werden. Der Kurs hat seit Jahresbeginn rund 19 Prozent verloren.
Auch Adobe kämpft mit der Diskrepanz zwischen Vision und Wirklichkeit. KI-gestützte Bildbearbeitung klingt spektakulär – doch in der Bilanz schlagen sich diese Neuerungen bislang kaum nieder. Die Aktie liegt seit Januar zweistellig im Minus.
Wer nicht sparen kann: Cybersecurity trotzt dem Trend
Ein anderer Sektor zeigt, wie differenziert der Markt aktuell reagiert: Cybersecurity. Denn während Produktivitäts- und Kreativsoftware unter Kürzungen leiden, wird bei IT-Sicherheit nicht gespart.
Zscaler konnte 2025 bereits zweistellig zulegen – auch wegen einer neu aufgestellten Vertriebsstrategie. Palo Alto Networks hingegen liegt zwar noch leicht im Minus, dürfte aber in den kommenden Quartalen von einfacheren Vergleichswerten profitieren.
Für Anleger heißt das: Nicht alle Software ist gleich. Wer den Markt differenziert betrachtet, findet auch in schwierigen Zeiten Wachstumssegmente.
Analysten: Der Ausverkauf könnte übertrieben sein
Trotz der schwachen Performance sehen einige Experten jetzt Potenzial – gerade bei Titeln wie ServiceNow oder Adobe. Die Kursrückgänge haben zu niedrigeren Bewertungen geführt.
Die Marktführer seien fundamental solide, so das Argument, und könnten vom langfristigen Digitalisierungstrend weiterhin profitieren. Gerade ServiceNow gilt unter Analysten als Kandidat für eine Erholung – sobald sich der Behördenmarkt stabilisiert.
Die Bernstein-Studie spricht sogar vom „nächsten Microsoft-Potenzial“. Eine gewagte These – aber nicht aus der Luft gegriffen: ServiceNow hat eine tiefe Kundenbindung, stabile Margen und wächst weiter zweistellig.
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