05. April, 2025

Quartalszahlen

Rivian rutscht ab – Absatz bricht um 36 % ein

Mit nur 8.640 ausgelieferten Fahrzeugen im ersten Quartal liefert Rivian deutlich unter den Erwartungen – ein Rückschlag für den ambitionierten Tesla-Rivalen. Vor allem die Nachfrage in Kalifornien bricht ein, das Vertrauen der Anleger gleich mit.

Rivian rutscht ab – Absatz bricht um 36 % ein
Die Waldbrände in Kalifornien treffen auch Rivian hart – der Absatz in einem der wichtigsten Märkte ist eingebrochen.

Ein Dämpfer zur Unzeit

Der Zeitpunkt könnte schlechter kaum sein. Während der Elektroautomarkt weltweit unter Preisdruck und wachsender Konkurrenz steht, liefert Rivian ausgerechnet jetzt enttäuschende Zahlen: Nur 8.640 Fahrzeuge hat der Tesla-Konkurrent im ersten Quartal 2025 an Kunden übergeben – ein Einbruch um rund 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Aktie reagierte prompt: Im vorbörslichen US-Handel fiel der Kurs um 4,5 Prozent.

Quelle: Eulerpool

Für ein Unternehmen, das seit seiner Gründung als Zukunftshoffnung der US-Autoindustrie galt, ist das mehr als nur ein Betriebsunfall. Rivian, einst mit Milliardenbewertungen gefeiert, steht nun vor der Frage, ob es ihm gelingt, vom Nischenhersteller zum echten Volumenanbieter zu werden – oder ob es das nächste Kapitel einer zu früh gefeierten Disruption wird.

Kalifornien brennt – und mit ihm Rivians Absatz

Der Rückgang kommt nicht aus dem Nichts. Rivian selbst verweist auf die „schwache Nachfrage“ – insbesondere in Kalifornien. Der Bundesstaat, bislang einer der wichtigsten Absatzmärkte für Rivian, leidet derzeit unter den Folgen verheerender Vegetationsbrände.

Tausende Haushalte sind betroffen, Infrastruktur ist beschädigt, die Konsumstimmung gedämpft.

„Unsere Lieferkette und unsere Kundennachfrage in der Region haben unter den Ereignissen deutlich gelitten“, teilte Rivian mit.

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen: Der R1T-Pick-up und das SUV R1S gelten als technologisch solide, sind jedoch teuer – selbst für das kalifornische Klientel, das zuletzt verstärkt zu günstigeren Modellen von Tesla oder chinesischen Anbietern wie BYD greift.

Quelle: Eulerpool

Ein Konzern zwischen Tech-Hype und harter Realität

Rivian war einmal das Vorzeigeprojekt der neuen Mobilität – gefördert von Amazon, gefeiert von Investoren, umgeben vom Nimbus der Tesla-Nachfolge. Doch mit dem Boom kam auch der Druck. Der Börsengang 2021 war einer der größten der US-Geschichte, doch seither verlor die Aktie über 80 Prozent an Wert.

Dabei fehlt es nicht an Potenzial: Rivian betreibt ein hochmodernes Werk in Normal, Illinois, entwickelt eigene Antriebsstränge und Batteriepacks, hat Verträge mit Großkunden wie Amazon (Lieferwagenflotte) und positioniert sich als Premiumanbieter für Abenteuerlustige. Doch genau dieser Nischenfokus könnte sich jetzt rächen.

„Rivian muss raus aus der Komfortzone der Early Adopter und in den Massenmarkt“, sagt Autoanalystin Carla Murray von EV Insights. „Das erfordert nicht nur günstigere Modelle, sondern auch eine klarere Preisstrategie – und die fehlt bisher.“

Kapitalbedarf wächst – und Geduld schwindet

Mit dem Produktionsrückgang wächst auch der Kapitalbedarf. Rivian verbrennt nach wie vor Milliarden pro Jahr.

Zwar konnte sich das Unternehmen zuletzt über eine Wandelanleihe frisches Kapital sichern, doch die Investoren erwarten Ergebnisse – nicht nur in Form von Stückzahlen, sondern vor allem in Richtung Profitabilität.

CEO RJ Scaringe, ein Ingenieur mit Visionen, versucht Optimismus zu verbreiten. Man arbeite an einem kleineren Modell, dem R2, das 2026 auf den Markt kommen soll und erstmals unter 50.000 US-Dollar kosten dürfte. Doch der Zeithorizont ist lang – und die Konkurrenz schläft nicht.

Der chinesische Druck wächst

Besonders brisant ist die Lage angesichts des wachsenden Drucks aus Asien. BYD, Nio und andere chinesische Hersteller drängen mit hohem Tempo und günstigen Preisen auf den globalen Markt. In Europa steigt der politische Druck auf E-Auto-Importe, in den USA setzt Präsident Trump auf Zollschutz – doch ob das reicht, ist fraglich.

„Der Markt wird gerade neu verteilt“, sagt Branchenexperte Daniel Voigt von MobilityNow. „Wer jetzt nicht liefern kann, riskiert, in der nächsten Runde keine Rolle mehr zu spielen.“ Für Rivian heißt das: Das zweite Quartal wird entscheidend. Noch einmal solche Zahlen – und der Wind könnte endgültig kippen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Pharma-Familie auf Expansionskurs: Wie Boehringer Bayer abhängt
Boehringer Ingelheim wächst kräftig und überholt die Konkurrenz im Pharmasegment – vor allem mit zwei Blockbustern. Doch Patentabläufe, US-Rabatte und die politische Lage in Washington drohen die Erfolge zu bremsen. Jetzt setzt das Familienunternehmen auf neue Medikamente – und auf Zeit.