Die Bildung einer neuen Regierung in Deutschland könnte erstaunlich flott über die Bühne gehen. So schnell, dass Union und SPD in Erwägung ziehen, sogar den noch amtierenden Bundestag in die Pflicht zu nehmen, um ihrer neuen Koalition einen sanfteren Start zu verschaffen. Der Appell ist klar: Union und SPD sollten auf die formellen Rituale der Koalitionsverhandlungen verzichten, die sich seit zwei Jahrzehnten vielerorts gefestigt haben.
Die bevorstehenden Herausforderungen, mit denen sich eine Regierung unter Merz konfrontiert sieht, sind vielfältig: Dazu zählen die Ukraine-Krise, wirtschaftliche Belange und Migrationsfragen. Während bei der Ukraine Sicherheit und Verteidigung auf dem Spiel stehen, sind es bei der Wirtschaft die Themen Wachstum, Klima und soziale Fragen. Hinsichtlich der Migration hingegen wird über nichts Geringeres entschieden als die Zukunft Europas.
Angesichts dieser Aufgaben wäre ein ausufernder Koalitionsvertrag überflüssig. Zwei Seiten könnten zwar knapp bemessen sein, aber drei dürften in der derzeitigen Lage definitiv ausreichen, um zügig und pragmatisch zu handeln.