03. April, 2025

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Probezeit nutzen – oder flüchten?

In der Probezeit sind Kündigungen schnell ausgesprochen – und genau das kann ein Vorteil sein. Wer jetzt die richtigen Fragen stellt, kann Fehlentwicklungen stoppen, das Gehalt nachverhandeln oder im besten Fall gleich wieder gehen. Worauf Arbeitnehmer wirklich achten sollten.

Probezeit nutzen – oder flüchten?
Rund jeder zweite Arbeitnehmer kündigt laut Xing-Studie in den ersten zwölf Monaten – oft wegen enttäuschter Erwartungen an Teamkultur, Einarbeitung oder Gehalt.

Ab ins kalte Wasser – aber bitte mit Thermometer

Die ersten Tage im neuen Job fühlen sich oft wie ein Sprung ins Unbekannte an. Doch was viele unterschätzen: Die Probezeit ist keine einseitige Bewährungsprobe – sie ist eine strategische Testphase für beide Seiten.

Und wer genau hinsieht, kann schon in den ersten Wochen erkennen, ob ein Unternehmen wirklich hält, was es im Vorstellungsgespräch versprochen hat.

Schlechte Einarbeitung: Wenn Orientierung zum Zufall wird

Wer von Anfang an allein gelassen wird, sollte aufhorchen. Die viel zitierte Willkommenskultur zeigt sich nicht im Obstkorb, sondern in der Qualität des Onboardings.

Fehlende Ansprechpartner, chaotische Abläufe, widersprüchliche Anweisungen – das sind keine Kinderkrankheiten, sondern strukturelle Mängel. In der Probezeit darf und sollte das thematisiert werden. Bleibt die Reaktion aus, ist das Unternehmen möglicherweise nicht bereit oder fähig, seine Mitarbeiter ernst zu nehmen.

Kollektives Schweigen: Wenn die Teamkultur krankt

Ein unterschätzter Kündigungsgrund ist schlechte Stimmung. Laut einer Xing-Studie beendete jeder dritte Befragte ein Arbeitsverhältnis, weil das Miteinander nicht passte.

Wer spitze Bemerkungen, passiv-aggressives Verhalten oder offene Spannungen wahrnimmt, sollte dies nicht als „Eingewöhnungsphase“ abtun. In toxischen Teams zu verharren, kostet Energie – und langfristig auch Gesundheit und Motivation.

Fehlbuchung mit System?

Wer sein Gehalt zu spät oder falsch überwiesen bekommt, erlebt mehr als nur ein technisches Versehen. Regelmäßige Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung sind ein Alarmsignal – vor allem dann, wenn darauf nicht professionell reagiert wird. In Zeiten von digitaler Buchhaltung und standardisierten Prozessen gibt es kaum eine Entschuldigung. Wer jetzt schweigt, muss später womöglich hart verhandeln.

Fehlendes Onboarding zählt zu den häufigsten Kritikpunkten neuer Mitarbeiter – und deutet meist auf strukturelle Defizite in der Unternehmenskultur hin, nicht auf Einzelfälle.

Akkordarbeit statt Alltag: Überstunden als Probezeitfalle

Gerade in der Anfangszeit drücken viele ein Auge zu, wenn es um Mehrarbeit geht. Doch wenn das „kurz noch fertig machen“ zur Regel wird und Urlaubsanträge systematisch blockiert werden, sollte man aufpassen.

Laut Arbeitszeitgesetz dürfen Überstunden zwar vorkommen – aber nicht zur stillschweigenden Norm werden. Wer sich hier nicht abgrenzt, wird schnell zum Dauerbrenner mit Burnout-Risiko.

Grenzüberschreitungen: Kein Spielraum für Fehlverhalten

Ob verbale Entgleisungen, sexistisches Verhalten oder Diskriminierung – die Probezeit ist keine moralische Grauzone. Im Gegenteil: Wer solche Verhaltensweisen erlebt, sollte sie sofort und konsequent adressieren.

Arbeitgeber, die hier wegsehen oder relativieren, offenbaren mehr über ihre Kultur, als ihnen lieb ist. Der Gang zur internen Beschwerdestelle oder – in schweren Fällen – die fristlose Kündigung sind keine Überreaktion, sondern notwendige Selbstachtung.

Verhandlung ist kein Verrat

Wer in der Probezeit erkennt, dass Aufgabenprofil, Verantwortung und Gehalt nicht im Einklang stehen, sollte das Gespräch suchen – idealerweise vor Ablauf der Probezeit. In dieser Phase sind Wechsel noch unkompliziert, Nachverhandlungen realistisch und neue Positionen oft schnell zu besetzen.

Wer jetzt taktisch agiert, erhöht nicht nur seine Chancen im aktuellen Unternehmen, sondern auch auf dem gesamten Arbeitsmarkt.