Die Insolvenz des Bankhauses Obotritia zieht weite Kreise. Das Amtsgericht München hat das Verfahren über das Vermögen des Instituts eröffnet, die Finanzaufsicht Bafin bestätigte die Zahlungsunfähigkeit. Als Insolvenzverwalter wurde der erfahrene Jurist Michael Jaffé bestellt.
Einlagensicherung greift – mit Grenzen
Die Bafin hat den sogenannten Entschädigungsfall festgestellt, da Obotritia nicht mehr in der Lage ist, Kundeneinlagen vollständig zurückzuzahlen. Für etwa 1300 betroffene Kunden bedeutet das: Ihre Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person sind durch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) abgesichert. In Ausnahmefällen könnten höhere Summen erstattet werden.

Nicht abgesichert sind jedoch Inhaberschuldverschreibungen und Zertifikate. Wer sein Geld in solche Produkte investiert hat, muss nun um seine Rückzahlungen bangen.
Geschäftsmodell als Schwachstelle
Das Bankhaus Obotritia war seit 2019 als Nischenfinanzierer im Gewerbeimmobilienmarkt tätig. Es gehört zum Portfolio des Immobilieninvestors Rolf Elgeti und vergab Kredite vor allem über die Plattform Weltsparen des Berliner Fintechs Raisin.
Zudem war es mit der Kreditplattform Creditshelf verbunden. Doch das Geschäftsmodell erwies sich als nicht tragfähig. Bereits Ende Februar hatte die Bafin eine Notbremse gezogen und ein Moratorium verhängt, um weitere Verluste zu begrenzen.
Mit einer Bilanzsumme von 51,8 Millionen Euro Ende 2024 war Obotritia zwar ein kleines Institut, doch der Fall hat Symbolcharakter: Die Bank geriet durch Zinswende und Probleme im Gewerbeimmobilienmarkt unter Druck. Bereits 2022 musste sie ihr Neugeschäft einstellen, die Liquidation lief seit Oktober 2024. Der Verkauf von Vermögenswerten konnte jedoch nicht schnell genug erfolgen, um Kundeneinlagen zurückzuzahlen.
BaFin und Obotritia: Ein Konflikt mit Vorgeschichte
Die Finanzaufsicht und Obotritia hatten in den letzten Jahren mehrfach Differenzen. Bereits 2021 deckte eine Sonderprüfung der Bafin erhebliche Mängel auf. Im Mai 2022 wurden Geschäftsbeschränkungen auferlegt, die das Institut schwer trafen.
Obotritia versuchte juristisch gegen die Maßnahmen vorzugehen, scheiterte jedoch. Die Bank argumentierte, die öffentliche Rüge schade ihrem Ruf unverhältnismäßig. Gerichte stellten sich jedoch auf die Seite der Bafin, sodass die regulatorischen Auflagen blieben.