Still ist anders
Ein neuer Name, eine neue Firma, ein diskreter Headhunter: Während Arthur Waller, CEO des französischen Fintechs Pennylane, sich öffentlich noch bedeckt hält, laufen hinter den Kulissen die Vorbereitungen für einen der ambitioniertesten Fintech-Exporte Europas. Ziel: Deutschland. Und zwar schnell.
Die Pläne sind konkret. Pennylane hat in München eine eigene Gesellschaft gegründet und sucht derzeit einen Managing Director für Deutschland.
Federführend: die Personalberatung Von der Heyden. Parallel dazu laufen Investorengespräche – nicht mehr, um zu überleben, sondern um zu expandieren. Laut mit dem Vorgang vertrauten Personen steht eine neue Finanzierungsrunde kurz vor dem Abschluss. Die Bewertung: rund zwei Milliarden Dollar. Verdoppelt innerhalb eines Jahres.
Die Idee: Buchhaltung endlich effizient
Was macht Pennylane? In Frankreich ist die Firma mit einer SaaS-Lösung für Buchhaltung, Steuerwesen und Finanzcontrolling groß geworden. Das Produkt richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen sowie an Steuerberater, die zunehmend digital arbeiten – oder arbeiten müssen.
Der Erfolg basiert auf einer klaren Strategie: Benutzerfreundlichkeit, Automatisierung und das Versprechen, Buchhaltung „endlich ins 21. Jahrhundert“ zu bringen.
Anders als viele Fintechs hat Pennylane die Krisenjahre gut überstanden – mit solidem Wachstum und ohne aggressive Margenversprechen. Das Unternehmen hat sich seine Unicorn-Bewertung nicht mit Fantasie, sondern mit Kunden und Umsatz verdient.

Kapital, das Eindruck macht – und Erwartungen weckt
Hinter dem Unternehmen stehen große Namen: Der kalifornische Wachstumsinvestor Sequoia, Hedosophia aus London und Global Founders Capital, der Venture-Ableger von Rocket Internet.
Nun soll mit Meritech ein Investor dazustoßen, der u.a. Snowflake, Datadog und Personio früh finanzierte. Dass sich ein solcher Kreis um ein französisches Accounting-Startup versammelt, ist ein Signal – an die Märkte, aber auch an die deutsche Konkurrenz.
Die Expansionspläne sind mutig, aber nicht ohne Risiko. Denn anders als in Frankreich, wo Pennylane auf eine fragmentierte Marktstruktur traf, ist die Lage in Deutschland klar: Wer in Buchhaltung und Steuerberatung etwas auf sich hält, arbeitet mit Datev – dem Nürnberger Genossenschaftsriesen mit über 40 % Marktanteil. Und: Datev kooperiert längst mit mehreren Start-ups. Die Schnittstellen sind technisch, die Kundenbindung emotional.
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David gegen Datev – oder David neben Datev?
Pennylane will nicht frontal angreifen, sondern dort punkten, wo Datev strukturell langsam ist: bei Cloud-Diensten, API-Offenheit und Mobilität. Gerade junge Kanzleien, moderne Dienstleister und Start-ups könnten Interesse an einem System haben, das mehr nach Tech-Plattform und weniger nach Steuer-CD klingt.
Doch dafür braucht es mehr als nur eine gute Software. Der Erfolg in Deutschland wird sich daran messen lassen, ob Pennylane ein lokales Team aufbauen kann, das den Markt versteht – juristisch, kulturell, vertrieblich.
„Viele französische Scale-ups scheitern an Deutschland – nicht weil sie zu klein sind, sondern weil sie das Ökosystem unterschätzen“, sagt ein ehemaliger Investor eines Pariser SaaS-Startups.
Timing ist ein Risiko – und eine Chance
Gleichzeitig sprechen die Zeichen für den Einstieg. Die Digitalisierungspflicht für Rechnungsstellungen (E-Rechnungspflicht) ab 2025 erhöht den Druck auf Unternehmen und Kanzleien, veraltete Prozesse zu modernisieren. Wer dabei mit einem schlanken System punkten kann, das sich gut integriert, hat einen Fuß in der Tür.
Das Momentum ist also da. Ob es Pennylane gelingt, es auch zu nutzen, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, deutsches Vertrauen zu gewinnen – nicht nur Investorenvertrauen, sondern das der Steuerberater und KMUs vor Ort.