05. April, 2025

Global

Zollhammer aus Washington: Trumps Handelskrieg trifft Europa ins Mark

Donald Trumps angekündigte Zölle auf Importe aus aller Welt versetzen Ökonomen in Alarmbereitschaft. In Deutschland schrillen die Sirenen – und die Angst vor einem neuen Protektionismus wächst. Die EU muss nun liefern.

Zollhammer aus Washington: Trumps Handelskrieg trifft Europa ins Mark
Die Rückkehr des Zoll-Nationalismus dient auch innenpolitischen Zwecken: Trumps Maßnahmen sollen Wähler mobilisieren – auf Kosten globaler Handelsbeziehungen.

Ein Präsident, ein Tweet – und die Märkte brechen ein

Als Donald Trump am späten Abend seine Zollpläne publik macht, sind die US-Börsen längst geschlossen.

Doch das Urteil der Märkte folgt prompt: Die Futures rauschen ab, Gold steigt. Was aussieht wie ein Reflex, ist eine Ansage. Der Ton ist gesetzt. Und die Richtung auch: nach unten.

Trumps neue Zölle – sie sollen auf nahezu alle Länder der Welt erhoben werden, besonders hart trifft es China, Vietnam, aber auch Europa. Wer gehofft hatte, nach Jahren wirtschaftlicher Unsicherheit wieder auf Stabilität zählen zu können, sieht sich nun eines Besseren belehrt.

Ökonomen ziehen historische Parallelen

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, findet klare Worte: „Die 1930er Jahre sind zurück.“ Damals verschärften US-Zölle unter Präsident Hoover die Weltwirtschaftskrise dramatisch. Heute sei die Lage zwar stabiler – noch. Aber das Fenster, in dem sich wirtschaftlicher Schaden verhindern ließe, schließt sich schnell.

Eiko Sievert von der Ratingagentur Scope erwartet eine Abschwächung des globalen Wachstums. Und Moritz Schularick vom Kieler Institut für Weltwirtschaft spricht offen von einer Zäsur.

Wenn die Zölle in dieser Form bestehen bleiben, sei das Welthandelsregime, wie wir es kennen, Geschichte. „Das tut richtig weh, auch den Amerikanern.“

Made in Germany: bald ein Ladenhüter?

Für die deutsche Exportwirtschaft ist der Vorstoß aus Washington ein Albtraum. Die USA sind wichtigster Handelspartner, Deutschlands Industrie eng verflochten mit dem US-Markt. Allein 2023 wurden Waren im Wert von über 160 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten geliefert. Ein Rekord – der nun kippen könnte.

Dirk Jandura, Präsident des BGA, bringt es auf den Punkt: „Das werden wir spüren.“ Die Preise werden steigen, die Umsätze sinken. Gerade mittelständische Unternehmen könnten diese Belastung nicht verkraften.

Gerade exportabhängige Mittelständler geraten unter Druck. Das Ifo-Institut rechnet im Fall anhaltender Zölle mit einem Rückgang der deutschen Exporte um bis zu 15 Prozent.

Die Folge: Kurzarbeit, Entlassungen, Stillstand. „Eine wirtschaftliche Sackgasse“, sagt Jandura. Und Deutschland ist mittendrin.

Automobilindustrie unter Druck

Besonders hart könnte es die deutsche Autoindustrie treffen. Die USA sind nicht nur Absatzmarkt, sondern auch Schlüsselmarkt für Innovation und Prestige. Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, spricht von einem „fundamentalen Einschnitt“. Trumps Zollpolitik sei nicht America First, sondern „America alone“.

Wenn auf deutsche Autos, Nutzfahrzeuge und Autoteile 25 Prozent Zoll erhoben werden, sei das kein Rückschlag – sondern ein Bruch. Mit globalen Lieferketten, mit Investitionsplänen, mit Arbeitsplätzen. Die Unsicherheit trifft die Branche in einer Phase, in der sie ohnehin um ihre Rolle in der Mobilität von morgen kämpft.

China: Gegner oder Katalysator der Eskalation?

Ein entscheidender Faktor bleibt Chinas Reaktion. Denn nicht nur Europa steht im Visier Trumps, sondern vor allem Peking. Über 50 Prozent Zoll auf chinesische Waren – das ist eine Kampfansage. Und auch Vietnam, als bisheriger Ausweichstandort vieler Konzerne, wird getroffen.

George Saravelos von der Deutschen Bank sieht zwei Optionen: Entweder China kontert direkt – oder es wertet den Yuan gezielt ab, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft zu retten. In beiden Fällen: schlechte Nachrichten für europäische Firmen.

Sie geraten zwischen die Fronten – und sehen sich wachsender Konkurrenz durch billigere Importe aus Fernost gegenüber.

Die EU in der Zwickmühle

Und Europa? Muss jetzt liefern. Klare Kante zeigen – aber nicht überziehen. Wolfgang Große Entrup vom Verband der Chemischen Industrie mahnt zur Besonnenheit.

„Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern.“

Gleichzeitig fordern Wirtschaftsverbände mehr Tempo bei Freihandelsabkommen, stärkere Netzwerke, entschlossenes Handeln.

Die EU könne sich jetzt als Partner positionieren, der für freien und fairen Handel steht. Doch dafür braucht es mehr als warme Worte. Es braucht Strategie, Geschlossenheit – und Tempo. Die USA spielen auf Zeit, Europa darf nicht weiter zusehen.

Zölle als Finanzierungsquelle? Ein gefährlicher Trugschluss

Trump selbst sieht in den Zöllen auch eine Einnahmequelle für den hochdefizitären US-Haushalt. 600 Milliarden Dollar jährlich sollen es bringen, heißt es aus Washington.

Doch diese Zahl halten Experten wie Sievert für deutlich überzogen. Vor allem, da Trump gleichzeitig Steuererleichterungen in Aussicht stellt. Das rechnet sich nicht.

Vielmehr droht eine Kombination aus sinkender Wettbewerbsfähigkeit, steigenden Preisen und wachsender Unsicherheit – also genau das, was Investoren fürchten. Was kurzfristig wie Stärke wirkt, könnte langfristig zur Belastung für die US-Wirtschaft werden.

Ein historischer Moment – mit offenem Ausgang

Die Weltwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Noch ist unklar, ob Trump bleibenden Schaden anrichtet oder nur auf Verhandlungsmasse setzt. Klar ist aber: Die Spielregeln ändern sich. Offene Märkte, auf die Europa lange gesetzt hat, stehen unter Druck. Und die Zeit, darauf zu reagieren, wird knapp.

Die Lehren aus der Vergangenheit sind eindeutig. Doch ob sie gehört werden – das ist eine andere Frage.

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