05. April, 2025

Unternehmen

DHL im Öko-Fieber: Retten Recycling-Briefmarken die Aktie?

Deutsche Post bringt erste Recycling-Briefmarke – die Börse bleibt skeptisch

DHL im Öko-Fieber: Retten Recycling-Briefmarken die Aktie?
„Blumenbrief“ als Öko-Hoffnung: Die erste Recycling-Briefmarke der Deutschen Post – doch ist das genug, um die Kritiker vom Nachhaltigkeitskurs zu überzeugen?

Ausgerechnet eine 95-Cent-Briefmarke soll die Deutsche Post auf Nachhaltigkeitskurs bringen: Zum ersten Mal überhaupt setzt das Unternehmen auf Briefmarken aus reinem Recyclingpapier.

Für Öko-Freunde eine gute Nachricht, für Anleger dagegen nur ein weiteres Fragezeichen. Denn am Aktienmarkt sorgt der Schritt bislang nicht für Euphorie – ganz im Gegenteil.

Nachhaltigkeit trifft Massenmarkt

Am Dienstag verkündete die Post in Bonn stolz, dass ihre neueste Briefmarke namens „Blumenbrief“ aus der Serie „Welt der Briefe“ jetzt komplett auf Recyclingpapier gedruckt wurde.

Dabei setzte der Konzern auf Zusammenarbeit mit dem britischen Papierhersteller Tullis Russell. Das Resultat: Rund 12,8 Tonnen Altpapier wurden verarbeitet und wichtige Ressourcen wie Holz, Wasser und Strom deutlich eingespart. Ganz nebenbei sank auch der CO₂-Ausstoß merklich – zumindest für diese Charge.

Doch eines muss klar sein: Es geht zunächst nur um nassklebende Briefmarken, also jene Marken, die man noch traditionell mit einem Schwämmchen oder der Zunge anfeuchtet. Hier plant die Deutsche Post, mittelfristig vollständig auf nachhaltiges Papier umzusteigen.

Von den wesentlich populäreren selbstklebenden Marken dagegen bleibt das Öko-Papier vorerst ausgeschlossen. Die Klebeeigenschaften funktionieren auf Recyclingmaterial nicht zufriedenstellend.

Deutsche Post: Vorreiter oder Marketing-Gag?

Weltweit betrachtet sieht sich die Deutsche Post gern als Vorreiter: Kein anderes Postunternehmen habe bislang angekündigt, alle nassklebenden Briefmarken auf nachhaltiges Papier umzustellen.

Klebstoffprobleme verhindern Recycling-Offensive: Selbstklebende Briefmarken der Deutschen Post bleiben vorerst von nachhaltigem Papier ausgeschlossen.

Die Schweizerische Post brachte zwar bereits 2021 eine Recyclingmarke heraus, prüft jedoch noch, ob eine vollständige Umstellung sinnvoll und machbar ist. Und in Österreich spielt man mit Recycling-Briefmarken bislang keine Rolle – und plant das offenbar auch nicht.

Trotzdem bleibt Skepsis, ob es der Deutschen Post wirklich um einen echten Wandel geht oder eher um einen publikumswirksamen Marketingeffekt.

Immerhin macht die Recycling-Briefmarke bislang nur einen Bruchteil der Gesamtproduktion aus: Gerade einmal 82,5 Millionen Marken kommen auf den Markt, während die selbstklebende Standardmarke mit rund 600 Millionen Exemplaren weiterhin auf gewöhnlichem Papier produziert wird.

Aktie verliert trotz Öko-Offensive

Die Börse scheint jedenfalls noch nicht überzeugt zu sein: Nach Bekanntgabe der Öko-Offensive verlor die DHL-Aktie im XETRA-Handel zeitweise um rund 1,8 Prozent auf etwa 39 Euro.

Quelle: Eulerpool

Anleger zweifeln offenbar, ob diese Maßnahme wirklich entscheidend zur nachhaltigen Unternehmensstrategie beitragen kann – oder ob das Ganze nur grüner Anstrich ist.

Für DHL und Deutsche Post steht dabei auch der Glaubwürdigkeitsfaktor im Raum: In einer Zeit, in der immer mehr Kunden Umweltaspekte in ihre Kaufentscheidung einfließen lassen, reicht Symbolpolitik längst nicht mehr. Ökologisches Handeln wird zunehmend genau hinterfragt – gerade auch von Investoren.

Der lange Weg zur echten Nachhaltigkeit

Für das Bonner Unternehmen dürfte die Einführung der Recycling-Briefmarke deshalb nur ein erster Schritt sein. Wenn es DHL tatsächlich ernst meint mit der Nachhaltigkeit, wird das Unternehmen seine komplette Wertschöpfungskette unter die Lupe nehmen müssen – angefangen beim Transport bis hin zur Zustellung an die Haustür. Ein paar Millionen nachhaltige Marken reichen noch nicht aus, um das Image entscheidend aufzupolieren.