04. April, 2025

Unternehmen

Ryanair kehrt nach Lübeck zurück – und die Aktie stürzt ab

Rund zehn Jahre nach dem Rückzug fliegt Ryanair wieder vom norddeutschen Flughafen Lübeck. Die Expansion wirkt strategisch – doch der Markt zeigt sich unbeeindruckt. Die Aktie fällt.

Ryanair kehrt nach Lübeck zurück – und die Aktie stürzt ab
Trotz feierlicher Rückkehr nach zehn Jahren straft der Markt die irische Billigairline ab: Das Papier verliert in Dublin über 2 %.

Auf dem kleinen Lübecker Flughafen hebt eine Boeing 737 mit Ziel Mallorca ab. Nach zehn Jahren Funkstille ist Ryanair zurück – mit viel PR-Tamtam, regionalem Optimismus und der Hoffnung auf 80.000 Passagiere jährlich.

Für die Iren ein kleiner Vorstoß. Für Lübeck eine Zäsur. Doch während man an der Ostsee auf Tourismus-Impulse und wiederbelebte Infrastrukturen hofft, geht es an der Börse bergab: Die Ryanair-Aktie verliert deutlich.

Warum kehrt Ryanair jetzt zurück?

Die Entscheidung zur Rückkehr fiel nicht aus reiner Nostalgie. Hamburgs Flughafen ist teuer geworden, die Gebühren steigen. In Lübeck ist man flexibler, günstiger – und hungrig auf Verbindungen.

Dass der Flughafen seit Jahren in privater Hand ist, erleichtert die Dinge: 50 Millionen Euro wurden in Infrastruktur gesteckt, neue Landebahn, Terminalausbau, digitale Prozesse. Lübeck ist bereit – und Ryanair nutzt das aus.

Einseitige Abhängigkeit

Der Haken: Ryanair ist derzeit der einzige reguläre Anbieter in Lübeck. Sollte das Modell scheitern oder die Marge ausbleiben, stehen die Zeichen schnell wieder auf Rückzug – wie 2014.

Damals war es die Unsicherheit der städtischen Betreiber, heute könnten es schlicht wirtschaftliche Interessen sein. Zwar wurden langfristige Verträge angekündigt, doch wer Ryanair kennt, weiß: Vertragslaufzeiten sagen bei dieser Airline wenig aus. Die Vergangenheit ist voller plötzlicher Kurswechsel.

Aktie verliert – trotz Expansion

Anleger bleiben skeptisch. Obwohl neue Strecken nach London, Malaga und Mallorca aufgenommen wurden, sackte die Ryanair-Aktie um 2,5 % ab. Wieso? Analysten nennen gleich mehrere Gründe: zunehmender Preiskampf, steigende Kerosinpreise, geopolitische Unsicherheiten – und die Abhängigkeit vom europäischen Binnenmarkt.

Auch die Streiks der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen. Die Expansionsnachricht reicht nicht, um diese Risiken zu überdecken.

Region profitiert – vorerst

Trotzdem: Für Lübeck ist die Rückkehr ein Hoffnungsschimmer. Die Region setzt auf sanften Tourismus, Standortmarketing und Arbeitsplätze. Besonders der regelmäßige Flug nach London wird als Zeichen internationaler Anschlussfähigkeit gefeiert. Doch ohne weitere Airlines bleibt die Position fragil. Der Markt ist hart, die Konkurrenz groß, die Margen dünn.

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