03. April, 2025

Unternehmen

Nordex knackt den Norden – Windkraft-Deal sorgt für Kursaufschwung

Mit einem 472-Megawatt-Auftrag aus Finnland gelingt Nordex der Markteintritt in Skandinavien. Der Deal bringt nicht nur neue Reichweite für die Turbine N175/6.X, sondern auch Rückenwind an der Börse.

Nordex knackt den Norden – Windkraft-Deal sorgt für Kursaufschwung
Neues Zugpferd im Portfolio: Die N175/6.X mit 175 Metern Rotordurchmesser wurde erst 2024 eingeführt – nun bringt sie Nordex den ersten Großauftrag aus dem windschwachen Norden Europas.

Markteintritt mit Symbolkraft

Es ist der erste große Auftrag aus Skandinavien – und ein strategisch wichtiger. Ende März hat sich das schwedische Unternehmen OX2 gleich zwei Windparks in Finnland gesichert, bestückt mit insgesamt 70 Windkraftanlagen von Nordex.

Die Hamburger liefern dabei ihre neueste Technologie: die N175/6.X-Turbine, eine Weiterentwicklung der Delta4000-Serie mit besonders großem Rotordurchmesser.

Mit dem Deal meldet sich Nordex dort zurück, wo die Bedingungen anspruchsvoll sind – aber die Ausbauziele hoch. 472 Megawatt Gesamtleistung sollen in den kommenden Jahren errichtet werden, die Inbetriebnahme ist für 2027 und 2028 geplant.

Quelle: Eulerpool

Geliefert wird ab 2026. Im Paket enthalten: ein 35 Jahre laufender Servicevertrag, der zusätzliche Erträge und Planungssicherheit verspricht.

Technologietreiber: die N175/6.X

Die bestellten Turbinen gehören zur neuesten Generation und sollen auch bei schwachem Wind hohe Leistung bringen. Mit einem Rotordurchmesser von 175 Metern und modularer Auslegung auf verschiedene Standorte ist die N175/6.X das Flaggschiff im Nordex-Portfolio. Gerade in windärmeren Regionen Nordeuropas kann das den Unterschied machen.

Quelle: Eulerpool

Die Baureihe wurde erst Mitte 2024 erstmals in Betrieb genommen – jetzt zeigt sich: Der Markteintritt war mehr als ein Testlauf. Der Skandinavien-Auftrag ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein technologischer Vertrauensbeweis.

Börse reagiert prompt – aber vorsichtig

Die Nordex-Aktie legte nach Bekanntgabe des Auftrags am Dienstagmorgen auf XETRA um über ein Prozent zu und notierte bei 14,38 Euro. Für ein Unternehmen, das zuletzt vor allem mit Kostendruck, Lieferkettenproblemen und Projektverzögerungen in den Schlagzeilen war, ist das ein wichtiges Signal.

Analysten sehen im Deal zwar keine Trendwende – aber ein Zeichen für neue Dynamik.

„Ein Auftrag in dieser Größenordnung mit langfristiger Servicebindung stärkt nicht nur den Cashflow, sondern auch die Sichtbarkeit künftiger Einnahmen“, sagt ein Portfoliomanager, der Nordex seit Jahren beobachtet. „Das ist ein Geschäft, das hängen bleibt – nicht nur auf dem Papier.“

Windkraft zwischen Krise und Hoffnung

Trotz des positiven Moments bleibt die Realität der Windbranche schwierig. Hohe Zinsen, volatile Rohstoffpreise und regulatorische Unsicherheit belasten die Rentabilität vieler Projekte. Gleichzeitig steigen die Erwartungen: von Politik, Investoren, Gesellschaft. Bis 2030 sollen allein in Europa Windkapazitäten im zweistelligen Gigawatt-Bereich zugebaut werden – jährlich.

Doch der Aufbau hinkt hinterher. Zulassungsverfahren dauern oft Jahre, die Planungskosten steigen. Auch Nordex kämpft mit dieser Realität – trotz voller Auftragsbücher. Im Jahr 2023 meldete das Unternehmen einen Umsatz von rund 6,8 Milliarden Euro, aber unter dem Strich stand weiterhin ein Verlust.

Strategie: Qualität vor Volumen

Mit der neuen Turbine verfolgt Nordex eine klare Linie: lieber gezielte Großprojekte mit hoher Effizienz als riskante Volumenstrategien. Das Unternehmen hat seine Fertigung konsolidiert, sich aus wenig rentablen Märkten zurückgezogen und fokussiert sich zunehmend auf margenträchtige Regionen – Skandinavien gehört jetzt dazu.

Dass der erste große Auftrag ausgerechnet von OX2 kommt, ist kein Zufall. Das Unternehmen zählt zu den erfahrensten Projektentwicklern in Europa und hat in Finnland bereits mehrere Windparks realisiert. Die 35-jährige Servicevereinbarung zeigt: Beide Seiten setzen auf langfristige Partnerschaften – ein Modell, das in der Branche wieder an Bedeutung gewinnt.

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