Vom Instagram-Idyll zur fiskalischen Realität
Was auf Social Media nach Sommer, Sonne, Selfmade-Glanz aussieht, hat in den französischen Gerichtsakten einen anderen Namen: Zwangsversteigerung.
Das „Maison Prestige Roberto Geissini“, ein Vier-Sterne-Anwesen mit Villen, Pools und Palmen in Grimaud bei Saint-Tropez, soll am 25. April öffentlich versteigert werden.
Grund ist eine Forderung der französischen Steuerbehörden über exakt 7.015.469,99 Euro. Der Vorwurf: Die Geissens sollen sich über Jahre unrechtmäßig Steuervorteile erschlichen haben – über ein in Luxemburg registriertes Firmengeflecht, das heute auf wackligen Beinen steht.
Sieben Millionen Euro und ein Hotel in der Schusslinie
Adressat der Steuerforderung ist die Whereland Real Estate SA, ein Unternehmen von Robert Geiss mit Sitz in Luxemburg.
Die Gesellschaft weist laut jüngsten Bilanzen ein negatives Eigenkapital von rund 1,5 Millionen Euro aus – trotz angeblich 8,2 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2023. Die Verbindlichkeiten summieren sich auf über 7,5 Millionen Euro, fast fünf Millionen davon kurzfristig fällig.
Die französischen Behörden gehen davon aus, dass das Unternehmen über Jahre Steuervergünstigungen in Anspruch nahm, ohne die Bedingungen zu erfüllen.
Das betroffene Anwesen hätte – so verlangt es das französische Steuerrecht in bestimmten Fördermodellen – innerhalb von fünf Jahren weiterverkauft werden müssen. Doch die Geissens behielten die Immobilie – und betrieben sie weiterhin als Luxushotel.

Ein öffentliches Verfahren mit politischer Dimension
Der Fall ist brisant – nicht nur wegen der Prominenz der Betroffenen. Frankreichs Fiskus geht seit Jahren schärfer gegen vermögende Immobilienbesitzer vor, die über Konstruktionen in Luxemburg oder Monaco Steuerzahlungen vermeiden.
Die Zwangsversteigerung in Draguignan ist Ausdruck dieser Strategie – öffentlich, medienwirksam und für prominente Steuerpflichtige unübersehbar.
Dabei handelt es sich nicht um ein vereinzeltes Missverständnis, sondern um eine strukturelle Auseinandersetzung. Die französischen Ermittler sprechen von systematisch ausgenutzten Schlupflöchern – und verweisen auf jahrzehntelange Steuertricks in der Hotellerie entlang der Côte d’Azur.
Die Geissens schweigen – und hoffen auf Berufung
Bislang äußern sich Robert und Carmen Geiss nicht zur Causa. Offiziell berufen sie sich auf das laufende Verfahren. Die Zwangsversteigerung war ursprünglich schon für September 2024 angesetzt, wurde aber nach einem juristischen Einspruch verschoben. Jetzt rückt der neue Termin im April näher – und mit ihm der mögliche Verlust des Prestigeprojekts.
Sollte es zur Versteigerung kommen, liegt der Startpreis bei 1,5 Millionen Euro. Beobachter halten das für einen symbolischen Betrag. Der wahre Wert des Areals dürfte deutlich darüber liegen – abhängig von Zustand, Lage und Genehmigungssituation. Die französische Finanzverwaltung will damit offenbar vor allem eines: ein Exempel statuieren.
Scheinwelten auf Social Media – Schulden im Hintergrund
Noch vor wenigen Tagen postete das Hotel auf Instagram ein Foto aus einem der Gästezimmer. „Der Countdown läuft“, hieß es da – mit Blick auf die Saisoneröffnung.
Dass im Hintergrund eine Versteigerung ansteht, erwähnte der Account nicht. Auch nicht, dass der französische Staat derzeit Millionen fordert – und juristisch gegen die Eigentümer vorgeht.
Es ist ein typischer Fall medialer Inszenierung kontra fiskalischer Wirklichkeit. Während der Lifestyle in den sozialen Medien weiter gepflegt wird, stehen im Hintergrund Behörden, Forderungslisten und Gerichte bereit.
Ein Verfahren mit Signalwirkung
Ob es am Ende tatsächlich zur Versteigerung kommt, wird das Gericht in Draguignan entscheiden. Möglich ist auch, dass die Geissens kurzfristig eine Einigung erzielen – oder die Berufung den Prozess verzögert. Sicher ist nur: Der Druck auf vermögende Immobilienbesitzer in Frankreich steigt.
Und wer seine Villa am Mittelmeer mit steuerlichen Vorteilen finanziert, muss damit rechnen, dass eines Tages jemand nachrechnet – und die Bilderbuchkulisse auf fiskalische Substanz prüft.
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