Ein Zuhause, das nie anlegt
Wenn Geld keine Rolle spielt, wird selbst die Weite des Ozeans zum Vorgarten. Die "Seven Seas Navigator", einst Kreuzfahrtschiff der Luxuslinie Regent, wird zum privaten Wohnsitz für Ultrareiche umgebaut.
70 Millionen Dollar steckt das US-Unternehmen Crescent Seas in die Renovierung – und macht aus dem betagten Dampfer ein exklusives Wohnobjekt mit globaler Anschrift.
Ab Ende 2026 soll das Schiff unter neuem Namen als erstes Mitglied einer Flotte dauerhaft um die Welt kreuzen. Mit an Bord: 210 Appartements, Designer-Innenausstattung, Butlerservice, Starlink-Internet und ein Preisetikett, das selbst für Toplagen in New York oder Singapur sportlich wäre.
Preise, die nur wenigen offenstehen
Die Einstiegspreise für ein schwimmendes Apartment starten bei 750.000 Dollar, Spitzenlagen auf dem Sonnendeck kosten bis zu 8 Millionen. Und das ist nur der Anfang: Hinzu kommt eine jährliche Servicegebühr ab 210.000 Dollar, die unter anderem Vollpension, Concierge-Dienste und Wartung umfasst.
Zum Vergleich: Selbst die hochpreisige "The World", das bislang bekannteste Luxus-Wohnschiff, bewegt sich mit Preisen zwischen 2 und 15 Millionen Dollar für die Suiten in ähnlichen Dimensionen – allerdings mit größerer, neuerer Flotte und mehr Freizeitangeboten an Bord.

Umbau mit Anspruch und Ästhetik
Die Innenarchitektur übernehmen renommierte Namen: MAWD, Lissoni & Partners sowie Journey Architects. Sie sollen das ehemalige Kreuzfahrtschiff in eine Mischung aus Boutiquehotel, Yacht und Luxusresidenz verwandeln – mit 210 Einheiten, die sich architektonisch und stilistisch deutlich vom bisherigen Standard in der Branche abheben sollen.
Das ursprüngliche Schiff wurde 1999 gebaut und 2016 modernisiert. Jetzt erfolgt der Umbau zur finalen Heimat auf See. Der letzte Einsatz unter Regent Cruises endet im Oktober 2026 mit einer Abschiedsfahrt von der Türkei nach Ägypten. Danach beginnt das Leben an Bord für eine neue Klientel.
Ein boomender Markt für schwimmenden Wohlstand
Die Idee, auf See zu leben, ist nicht neu – aber sie erlebt einen Boom. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, pandemischer Rückblicke und steuerlicher Flexibilität suchen viele Vermögende nach Mobilität ohne Verzicht.
Wer auf einem Wohnschiff lebt, kann täglich einen anderen Hafen anlaufen – ohne Zoll, Visum oder Grundsteuer.
Laut Unternehmensangaben plant Crescent Seas bereits weitere Schiffe und spricht mit Werften über Neubauten. Investoren wie Russell Galbut, Co-Gründer des US-Entwicklers Crescent Heights, sehen hier mehr als nur ein Luxusprodukt: eine neue Kategorie im Premium-Wohnungsmarkt.
Abschied vom festen Wohnsitz
Obwohl ein Zuhause auf See romantisch klingt, bleiben kritische Fragen: Ist das Modell ökologisch tragfähig? Wer reguliert das Recht auf See? Und was bedeutet es für Immobilienmärkte, wenn Ultra-High-Net-Worth Individuals zunehmend „abtauchen“ – steuerlich und physisch?
Crescent Seas betont den Fokus auf Nachhaltigkeit, moderne Antriebstechnik und regionale Kooperationen in Häfen weltweit. Doch bis zur ersten Jungfernfahrt am 31. Dezember 2026 bleibt die große Frage, wie viele sich wirklich dauerhaft auf das Leben ohne Festland einlassen werden.
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