03. April, 2025

Unternehmen

Lufthansa startet größte Flottenoffensive ihrer Geschichte

Lufthansa rüstet massiv auf: Mit dem modernen Airbus A350 ersetzt die Airline ältere Langstreckenjets und will Verspätungen bei Auslieferungen ausgleichen. Das zahlt sich auch an der Börse aus – die Aktie legt spürbar zu. Doch die Strategie birgt Risiken.

Lufthansa startet größte Flottenoffensive ihrer Geschichte
Startklar für die Langstrecke: Die neuen A350-900 sollen in Frankfurt unter anderem nach Seoul, Shanghai, Denver und Seattle fliegen – auch um Lieferverzögerungen bei anderen Flugzeugen abzufangen.

Modernisierung im Flug – und im Zeitdruck

Montagmorgen, Terminal 1, Frankfurt. Der Sommerflugplan ist in Kraft, und gleichzeitig hebt ein neuer Abschnitt bei Lufthansa ab: Die Airline setzt seit dieser Woche auf vier neue Airbus A350-900 auf der Langstrecke – Ziele: Seoul und Shanghai. Ab Mai kommt Denver dazu, im Juli folgt Seattle. Alle Strecken starten ab Frankfurt.

Was wie ein planmäßiger Austausch klingt, ist in Wahrheit Teil eines ambitionierten Kraftakts: Lufthansa steht vor der größten Flottenerneuerung ihrer Unternehmensgeschichte.

Bis Ende 2027 sollen 61 neue Großraum- und Mittelstreckenflugzeuge übernommen werden. Im Schnitt alle zwei Wochen ein neuer Jet – ein logistisches und finanzielles Mammutprojekt.

Verspätete Auslieferungen, temporäre Lösungen

Hintergrund für den kurzfristigen Einsatz der neuen A350-Flugzeuge ab Frankfurt ist ein bekanntes Problem in der Branche: Lieferverzögerungen. Eigentlich war vorgesehen, andere Maschinen einzusetzen – doch die geplanten Auslieferungen hinken hinterher. Airbus, Boeing & Co. kämpfen nach wie vor mit Nachwirkungen der Pandemie, Engpässen bei Zulieferern und komplexer Fertigung.

„Mit dem vorübergehenden Einsatz von A350 ab Frankfurt schließen wir eine Lücke, die durch verspätete Flugzeugauslieferungen entstanden ist“, sagt Lufthansa-CEO Jens Ritter.

Anders gesagt: Die Airline improvisiert – mit modernstem Gerät.

Airbus A350 auf dem Vorfeld in Frankfurt: Mit bis zu 320 Millionen Dollar pro Stück zählt der A350 zu den teuersten Flugzeugen der Welt – Lufthansa plant den größten Flottenumbau ihrer Geschichte.

Warum die A350 mehr ist als nur ein neuer Flieger

Der A350 gilt als Hoffnungsträger moderner Luftfahrt. Weniger Verbrauch, größere Reichweite, bessere CO₂-Bilanz. Für Lufthansa ist er deshalb nicht nur ein Ersatz, sondern ein strategisches Upgrade.

Laut Unternehmensangaben sind bereits 30 A350-900 ab München im Einsatz, 14 weitere Maschinen werden bis 2029 erwartet. Darüber hinaus hat der Konzern 24 A350-900 und 15 A350-1000 fest bestellt. Die Zuteilung innerhalb der Lufthansa Group erfolgt „kurzfristig und zentral“.

Übersetzt: Es wird intern taktisch entschieden, welche Konzern-Airline – Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines oder Brussels Airlines – welche Jets bekommt.

Börse zeigt sich beeindruckt

Die Anleger honorieren die Flottenstrategie. Die Lufthansa-Aktie legte am Montagvormittag auf XETRA zeitweise um 1,25 Prozent zu und notierte bei 6,78 Euro. In einem durchwachsenen Börsenumfeld keine Selbstverständlichkeit.

Quelle: Eulerpool

Die Botschaft kommt an: Lufthansa investiert nicht nur in Stahl und Technik, sondern in Effizienz, Kundenerlebnis und Zukunftsfähigkeit.

Milliardenprojekt mit Nebenwirkungen

Doch die Strategie ist nicht ohne Risiken. Neue Flugzeuge bedeuten hohe Vorabkosten – auch wenn die A350 im Betrieb günstiger ist. Die Aufrüstung erfolgt in einem Umfeld, in dem die Ticketpreise unter Druck stehen, die Inflation operative Kosten erhöht und der Luftverkehr zunehmend politisch reguliert wird.

Dazu kommt: Der A350 ist teuer – laut Marktpreisen kostet eine einzige Maschine rund 320 Millionen US-Dollar. Auch wenn Airlines bei Großbestellungen Rabatte erhalten, bleibt der Investitionsbedarf gewaltig. Gleichzeitig muss Lufthansa weiter Schulden abbauen, die in der Corona-Krise angehäuft wurden.

Langstrecke als Hoffnungsträger

Lufthansa setzt mit der Modernisierung bewusst auf die Langstrecke – denn hier lassen sich trotz steigender Kosten noch vergleichsweise gute Margen erzielen. Insbesondere Strecken in die USA und nach Asien gelten als Ertragssäulen im Streckennetz. Denver und Seattle sind aus Unternehmenssicht keine exotischen Ziele, sondern profitabel – wenn die Maschinen ausgelastet sind.

Wird der Plan aufgehen?

Lufthansa hat gelernt, mit Unsicherheiten zu leben – aber ob der ambitionierte Flottenplan eingehalten werden kann, hängt nicht allein von der Airline ab. Airbus muss liefern. Die Nachfrage auf dem Flugzeugmarkt ist derzeit höher als die Produktionskapazitäten. Vor allem bei Langstreckenflugzeugen ist die Lieferzeit inzwischen auf mehrere Jahre angewachsen.

Und auch geopolitische Risiken – von Handelskonflikten bis zur angespannten Lage im Indopazifik – könnten schnell durchkreuzen, was auf dem Papier noch stabil aussieht.