In einem Markt, in dem süße Gewinne oft nur eine Frage von Angebot und Nachfrage sind, hat der Kakao einen neuen Höhenflug erklommen. Mit einer tonnenschweren Dynamik durchbrach der Preis für die braune Delikatesse die Schallmauer von 10.000 US-Dollar und erreichte an der New Yorker Rohstoffbörse einen historischen Höchststand. Der für Mai anvisierte Terminkontrakt spitzte sich auf 10.047 Dollar zu – ein schokoladig bitterer Rekord für die Kakaobranche.
Der süße Rausch am Markt, der seit Beginn des Jahres eine Preisverdopplung und im Jahresrückblick gar eine Verdreifachung erlebt hat, hat laut Beobachtern der Commerzbank einen beunruhigenden Beigeschmack: Das Angstbarometer vor einer merkbaren Angebotsknappheit zeigte bedenklich nach oben. Wachsende Sorge besteht insbesondere beim Anbau in Westafrika, wo, so die Zahlen der Bank ING, nahezu drei Viertel des weltweiten Kakaoaufkommens wurzeln. Die Elfenbeinküste als Hauptakteur schüttet dabei fast die Hälfte des globalen Suppentopfs aus, gefolgt von Ghana, der Nummer Zwei, mit einem stattlichen Anteil.
Der aktuelle Mangel an Kakao wird vor allem durch Kapriolen des Wetters angetrieben: Starke Regenfälle im Vorjahr und heftige Dürreperioden derzeit lassen die Ernte bitter aufkommen und vergrößern das Defizit im Angebotskorb, erklärt Warren Patterson von ING.
Auch das Statistische Bundesamt warnte im Vorfeld der Osterzeit – traditionell eine Hochphase für Schokoladenkonsum – vor einer drastischen Verteuerung des Rohstoffs. Die Kakaobohne und ihr Bruch haben sich im Januar des laufenden Jahres um 73,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verteuert, während Kakaomasse und -butter um nahezu die Hälfte teurer wurden. Ernteausfälle in Westafrika werden hier als die bittere Zutat der Preiseskalation genannt.
In einem Markt, der von süßen Erwartungen und herben Realitäten lebt, bleibt der Preis für Kakao ein spannender Faktor – nicht nur für Gourmets und Genießer, sondern auch für Analysten und Investoren.