Als Donald Trump im Januar erneut ins Weiße Haus einzog, kündigte er einen „effizienteren Regierungsapparat“ an. Was folgte, war kein vager Sparappell, sondern ein faktischer Angriff auf eine ganze Branche: das Beratungsgewerbe.
Nun zeigt sich, wer unter der staatlich verordneten Schlankheitskur besonders leidet – und warum vor allem Deloitte im Zentrum dieser Abrechnung steht.
Deloitte verliert massiv – 127 Verträge gestrichen
Laut Auswertung der US-Datenbank DOGE hat die Regierung seit Jahresbeginn 127 Verträge mit Deloitte gekündigt oder substanziell verändert. Keine andere Firma wurde ähnlich hart getroffen – der Abstand zur Nummer zwei, Booz Allen Hamilton, ist beträchtlich.
Die Einschnitte bei Deloitte sollen dem US-Steuerzahler rund 371,8 Millionen Dollar einsparen, schätzt das zuständige Amt.
Betroffen sind unter anderem IT-Dienstleistungen für die Seuchenschutzbehörde CDC, ein Projekt zur digitalen Transformation im öffentlichen Gesundheitswesen, sowie ein millionenschwerer Trainingsauftrag für Diversitäts- und Inklusionsschulungen, der seit 2020 lief.
Was für Washington ein Rechenexempel ist, trifft Deloitte ins Nervenzentrum: In den USA macht der Konzern fast zehn Prozent seines Jahresumsatzes mit Regierungsaufträgen – zuletzt rund 3,3 Milliarden Dollar. Der plötzliche Einbruch trifft das Unternehmen damit direkt in eine seiner profitabelsten Einnahmequellen.

Das große Aufräumen: Wer noch alles betroffen ist
Auch andere Branchengrößen geraten unter Druck. Booz Allen Hamilton – mit rund 11 Milliarden Dollar fast vollständig auf öffentliche Kunden spezialisiert – verlor 61 Verträge, Accenture 30.
Doch während Booz Allen das Risiko aus strukturellen Gründen trägt, trifft es Accenture empfindlich: CEO Julie Sweet sprach bereits öffentlich über Umsatzverluste, intern wird über Personalabbau spekuliert.
Die Liste weiterer Betroffener liest sich wie ein Who’s who der US-Beratungslandschaft: Guidehouse, General Dynamics, IBM, Leidos, CGI Federal und SAIC – alle mussten Kürzungen hinnehmen, zum Teil in empfindlichem Umfang.
GSA fordert Transparenz
Koordiniert wird die Offensive vom GSA, der zentralen Einkaufsbehörde der US-Regierung. Unter Trumps Führung nimmt sie nun besonders die Wirtschaftlichkeit der Verträge ins Visier.
Berater wurden dazu aufgefordert, sogenannte „Scorecards“ einzureichen: Tabellen, die aufschlüsseln, welche Leistungen sie zu welchem Preis anbieten – und warum diese für den Staat wirklich nötig sind. Die GSA formulierte ihre Erwartungen dabei mit drastischer Klarheit: Jeder Vertrag müsse so erklärt sein, dass „ein 15-Jähriger ihn versteht“.
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Ziel ist eine Abkehr von pauschalen Laufzeitverträgen hin zu ergebnisorientierter Bezahlung. Statt Berater pauschal für „Strategieberatung“ zu entlohnen, soll künftig gezählt werden, was tatsächlich erreicht wurde.
Ein Insider der GSA bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht darum, Berater aus Prinzip abzuschaffen. Es geht darum, aufzuräumen.“ Die Botschaft ist klar – das Geschäftsmodell der Allzweckberatungen wird auf den Prüfstand gestellt.
Berater zwischen Politik und Abhängigkeit
Gerade für Firmen wie Deloitte oder Booz Allen Hamilton ist die neue Realität hochriskant. In kaum einer Branche ist die Verzahnung zwischen Staat und Anbieter enger – und selten so wenig diversifiziert. Der öffentliche Sektor ist für viele Beratungen nicht nur ein Geschäftsfeld, sondern die Existenzgrundlage. Fällt er weg, geraten ganze Geschäftsmodelle ins Wanken.
Die Kürzungen zeigen zudem, wie politisch aufgeladen das Beratungsgeschäft inzwischen ist. Trumps Kurswechsel stellt ein jahrelang gewachsenes Vertrauensverhältnis in Frage – auch international. Für europäische Konzerne, die sich verstärkt auf amerikanische Partner verlassen, könnten Unsicherheiten entstehen.
Und intern? Der Anpassungsdruck steigt. In der Branche mehren sich die Anzeichen, dass strategische Neuausrichtungen anstehen. Deloitte und andere werden nicht nur erklären müssen, warum sie ihre Leistungen bislang zu diesen Preisen angeboten haben – sie müssen auch neue Wege finden, Wert zu generieren, der nicht nur als Folie in PowerPoint besteht.
Trumps Budgetkürzungen werden zur Zäsur
Was sich in Zahlen trocken liest – 127 Verträge, 371 Millionen Dollar – ist in Wahrheit eine tektonische Verschiebung in der US-Beratungslandschaft. Die Entscheidung, vor allem Deloitte so hart zu treffen, dürfte Signalwirkung entfalten. Nicht nur für die Branche, sondern auch für andere Länder, in denen die Abhängigkeit vom Staat ähnlich stark ausgeprägt ist.
Ob der Sparkurs tatsächlich langfristig Effizienzgewinne bringt, bleibt offen. Sicher ist nur: Das goldene Zeitalter der beratenden Schattenregierung in Washington ist vorerst vorbei.
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