Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck äußerte sich in Berlin zu den jüngsten Zollerhöhungen der USA und zog dabei einen bemerkenswerten historischen Vergleich, der die Dramatik der Situation unterstreichen soll. In seiner Einschätzung sind diese Zollerhöhungen die bedeutendsten seit beinahe einem Jahrhundert. Dabei verglich er die wirtschaftlichen Spannungen mit kritischen Momenten in der europäischen Geschichte und zog insbesondere Parallelen zum Angriff Russlands auf die Ukraine. Diese Analogie verdeutlicht die Ernsthaftigkeit, mit der Habeck die gegenwärtigen handelspolitischen Entwicklungen betrachtet.
Der Minister widerspricht mit Nachdruck der Vorstellung des früheren US-Präsidenten Donald Trump, der die USA als benachteiligt durch unfaire Handelsbeziehungen darstellte. Habeck betont stattdessen, dass die Vereinigten Staaten von den Prozessen der Globalisierung erheblich profitiert haben und höhere Wachstumsraten als die europäische Wirtschaft erzielten. Die ungleiche Verteilung der wirtschaftlichen Vorteile sieht Habeck als ein internes amerikanisches Problem und nicht als ein Resultat internationaler Handelspraktiken.
In Bezug auf die Handelsbeziehungen unterstützt Habeck die laufenden Verhandlungen der EU-Kommission mit den USA, macht jedoch deutlich, dass Europa aus einer Position der Stärke heraus auftreten muss. Es sei unerlässlich, dass die Europäische Union strategische Allianzen vertieft, insbesondere mit Ländern wie Kanada und Mexiko, und neue Partnerschaften in Form von Handelsabkommen ins Auge fasst, um den Druck auf die USA zu erhöhen. Eine verstärkte wirtschaftliche Integration innerhalb der EU und Investitionen in zukunftsweisende Technologien seien ebenfalls von entscheidender Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern.
Habeck prognostiziert, dass die amerikanische Wirtschaft mit einer zunehmenden Inflation konfrontiert sein könnte. Im Gegensatz dazu sieht er die Möglichkeit einer Deflation in Europa, die drastische Auswirkungen auf die heimische Industrie haben könne, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Der Minister fordert daher entschlossenes Handeln und gemeinschaftliches Engagement, um den Herausforderungen des globalen Handelsumfelds erfolgreich zu begegnen. Sein Aufruf an die Europäer lautet, sich für die kommenden Herausforderungen zu wappnen und entschlossen in die Zukunft zu schreiten.