03. April, 2025

Wirtschaft

Frauen in Start-ups: Ein ungenutztes Potenzialressource

Die jüngste Analyse der deutschen Start-up-Szene hebt nachdrücklich die anhaltende Dominanz männlicher Gründer hervor. Eine umfassende Studie, die der Startup-Verband im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchführte, zeigt, dass über 80 Prozent der Start-up-Gründer Männer sind. Der Anteil der Frauen stagniert bei nur 19 Prozent, wobei ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Diese Erkenntnisse werfen ein Schlaglicht auf eine unausgewogene Geschlechterverteilung in einem zentralen Wirtschaftsbereich.

Verschiedene gesellschaftliche und strukturelle Faktoren tragen zu dieser ungleichen Verteilung bei. Der Mangel an weiblichen Vorbildern und hartnäckige Geschlechterstereotype beeinflussen die Karriereentscheidungen von Frauen oft schon in jungen Jahren. Darüber hinaus tragen familiäre Verpflichtungen dazu bei, dass Frauen sich seltener für eine unternehmerische Laufbahn entscheiden, da sie weiterhin den Großteil der familiären Pflegearbeiten übernehmen. Diese Verpflichtungen kollidieren häufig zeitlich mit entscheidenden Lebensphasen wie der Familiengründung oder dem Aufbau eines eigenen Unternehmens.

Traditionelle Rollenbilder spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle in den Karrierepräferenzen junger Menschen. Während etwa zwei Drittel der männlichen Start-up-Gründer bereits zu Schul- oder Studienzeiten den Wunsch entwickeln, ein Unternehmen zu gründen, verfolgen Frauen initial oft andere berufliche Interessen. Der Entschluss, Unternehmerinnen zu werden, erfolgt bei vielen Frauen erst in den frühen Berufsjahren oder sogar noch später.

Ein weiteres Hindernis stellt die unterschiedliche Wahrnehmung von Arbeitsplatzsicherheit dar. Rund 60 Prozent der Studentinnen legen großen Wert auf einen sicheren Arbeitsplatz, im Gegensatz zu weniger als einem Drittel der männlichen Studenten, die diesen Aspekt als entscheidend erachten. Diese unterschiedlichen sozialen Erwartungen wirken sich auf das unternehmerische Risikobewusstsein aus. Dennoch wagen viele Frauen in den ersten Berufsjahren den Sprung in die Selbstständigkeit; etwa ein Drittel der Gründerinnen entscheidet sich in dieser Phase dafür, ein Viertel folgt erst später.

Angesichts dieser Ergebnisse fordern die Bertelsmann Stiftung und der Startup-Verband gezielte Maßnahmen zur Förderung weiblicher Gründer. In einer Zeit wirtschaftlicher Herausforderungen ist es unerlässlich, das Potenzial von Frauen voll auszuschöpfen. Ihr Beitrag zu Innovation, Dynamik und Neuanfängen in der Wirtschaft ist unverzichtbar. Start-ups sind ein entscheidender Motor für wirtschaftliches Wachstum und Innovation, und die verstärkte Einbindung von Frauen würde diesen Sektor erheblich bereichern.