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Die Zukunft der Londoner Finanzwelt nach dem Brexit
Die Hochhaustäler von Canary Wharf glitzern im Morgenlicht, die U-Bahn spuckt Banker in teuren Anzügen aus, der Puls der britischen Finanzwelt schlägt noch immer stark.
Die Hochhaustäler von Canary Wharf glitzern im Morgenlicht, die U-Bahn spuckt Banker in teuren Anzügen aus, der Puls der britischen Finanzwelt schlägt noch immer stark.
Doch wie viel von Londons einst unangefochtener Vormachtstellung ist nach dem Brexit übrig geblieben? Ist die City weiterhin Europas Finanzhauptstadt oder haben Paris und Frankfurt ernsthafte Chancen, den Thron zu erobern?
Als das Brexit-Referendum 2016 durch war, malten Analysten ein düsteres Bild: Zehntausende Jobs würden London verlassen, Banken und Fonds würden ihre Geschäfte nach Paris, Dublin oder Frankfurt verlagern.
Tatsächlich verlagerten einige Unternehmen Teile ihrer Operationen – doch der große Exodus blieb aus. Laut einer Studie der European Banking Authority haben Banken etwa 7.000 Jobs aus London abgezogen, weit weniger als die zuvor geschätzten 75.000.
Frankfurt gewann die Europäische Zentralbank als Zugpferd, Paris holte die europäische Bankenaufsicht – aber Londons schiere Größe und Infrastruktur bleiben unangefochten.
Die London Stock Exchange bleibt einer der wichtigsten Handelsplätze der Welt, mit Handelsvolumina, von denen Frankfurt und Paris nur träumen können.
Nach dem Brexit ist das Vereinigte Königreich nicht mehr an die strengen EU-Finanzregulierungen gebunden – das könnte ein Vorteil sein. Die britische Regierung hat bereits Maßnahmen angekündigt, um den Finanzsektor flexibler und innovationsfreundlicher zu gestalten.
Doch die Schattenseite ist offensichtlich: Ohne den direkten Zugang zum EU-Binnenmarkt sind viele Dienstleistungen komplizierter geworden. Einige Unternehmen mussten neue Niederlassungen in der EU eröffnen, um ihre Geschäfte ungehindert weiterführen zu können.
Frankfurt, Sitz der EZB und Heimat vieler Banken, profitiert vom Brexit. Goldman Sachs, JPMorgan und Citigroup haben dort ihre Präsenz ausgebaut. Doch Frankfurt bleibt klein, es fehlt an internationaler Strahlkraft.
Paris punktet mit der ansässigen Europäischen Bankenaufsicht und steuerlichen Anreizen für Unternehmen, doch hohe Bürokratie und Arbeitsmarktrigidität schrecken viele ab. Dublin hat als englischsprachige Alternative Marktanteile gewonnen, bleibt aber ein Nischenakteur.
Ein Spaziergang durch die Bank of England, ein Blick auf die Skyline von Canary Wharf – es ist klar: London ist nicht untergegangen. Die Stadt hat ihre Strahlkraft bewahrt, doch der Brexit hat ihre Position geschwächt. Neue Regulierungen und der Verlust des EU-Binnenmarkts zwingen Unternehmen, um die Ecke zu denken. Gleichzeitig bleibt London ein Magnet für Fintechs und Investoren, die das dynamische Umfeld schätzen.
Frankfurt, Paris und Dublin haben ihre Marktanteile leicht ausgebaut, aber keine dieser Städte kann London kurzfristig das Wasser reichen. Die City of London bleibt eine der führenden Finanzmetropolen – wenn auch mit Kratzern in der einst makellosen Fassade.
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