Audi steht vor einem radikalen Wandel. Ab Anfang nächsten Jahres soll die technische Entwicklung des Ingolstädter Autobauers nach dem sogenannten Baureihenprinzip organisiert werden.
Diese Struktur gibt es bei Porsche seit über 20 Jahren – und nun will der neue Audi-Chef Gernot Döllner das Erfolgsmodell auch bei Audi durchsetzen. Die Idee: Mehr Verantwortung für Baureihenleiter, schnellere Prozesse und flachere Hierarchien. Doch nicht jeder begrüßt den Umbruch.
Mehr Macht für die Baureihenleiter
Zentral für den neuen Ansatz ist die Rolle der Baureihenleiter, die künftig für ganze Modellgruppen wie den A3 oder A8 verantwortlich sind. Sie sollen von der Idee bis zur Markteinführung die volle Kontrolle über Budget, Personal und Einkauf haben – quasi „Unternehmen im Unternehmen“.
Döllner setzt darauf, dass sich dadurch Audi flexibler und schneller an die Herausforderungen des Marktes anpassen kann. Es ist ein Ansatz, der in der Branche durchaus als Erfolg gilt: Sowohl Porsche als auch BMW arbeiten seit Jahren nach diesem Prinzip.
Kein sanfter Wandel: Umstrukturierung für 8.000 Mitarbeiter
Die Einführung des Baureihenprinzips betrifft mehr als 8.000 Mitarbeiter in der technischen Entwicklung, von denen viele neue Aufgaben oder gar andere Positionen erhalten werden.
Es könnte für bis zu 70 Führungskräfte sogar das Ende ihrer Karriere bei Audi bedeuten, denn Döllner plant, Hierarchien abzubauen. Es ist ein tiefer Einschnitt, der in den kommenden Wochen intern kommuniziert werden soll.
Probleme mit der Elektromobilität setzen Audi unter Druck
Die Notwendigkeit für Veränderungen ist offensichtlich: Audi hat in den letzten Jahren zunehmend den Anschluss verloren, besonders im Bereich der Elektromobilität.
Die Verspätung des wichtigen Q6 e-tron, der fast zwei Jahre später als geplant auf den Markt kommt, hat am Image der Marke gekratzt. Die technischen Probleme in der Softwareentwicklung waren so gravierend, dass sie zum Jobverlust von Döllners Vorgänger Markus Duesmann führten. Nun liegt die Verantwortung bei Döllner, den berühmten „Vorsprung durch Technik“ wiederherzustellen.
Gewinnwarnungen und schwache Margen
Finanziell befindet sich Audi ebenfalls in einer schwierigen Lage. Im ersten Halbjahr 2024 lag die operative Marge bei nur 4,3 Prozent. Audi musste seine Gewinnprognose bereits senken – von ursprünglich bis zu zehn Prozent auf nur noch maximal acht Prozent.
Das ist deutlich unter dem, was die Konzernmutter Volkswagen erwartet. Audi wird gebraucht, um die Transformation des gesamten VW-Konzerns zu finanzieren, doch der Premiumhersteller liefert nicht die erhofften Ergebnisse.
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Döllners Wette auf die Zukunft
Die Einführung des Baureihenprinzips ist nur ein Teil von Döllners umfassender Strategie, Audi wieder auf Erfolgskurs zu bringen. In internen Gesprächen hat er betont, dass Audi wieder technologisch führend sein muss – nicht nur innerhalb des Volkswagen-Konzerns, sondern auch im Wettbewerb mit Tesla und chinesischen Herstellern. Der Druck auf den ehemaligen Porsche-Manager ist enorm, doch in der Branche wird er als einer gehandelt, der weiß, wie man ein Unternehmen in die richtige Spur bringt.
Audi im Wandel
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Döllners Strategie aufgeht. Der Umbau der technischen Entwicklung ist ein riskanter, aber notwendiger Schritt, um Audi zukunftsfähig zu machen.
Doch der Erfolg wird sich nicht allein an strukturellen Veränderungen messen lassen – am Ende werden die Produkte und der Markterfolg entscheiden, ob Audi den „Vorsprung durch Technik“ zurückerobern kann.