Kurs-Explosion mit politischer Brisanz
Es war ein Start, wie ihn selbst Tech-Start-ups selten hinlegen: 735 Prozent Kursgewinn am ersten Handelstag – von 10 auf 83,51 Dollar. Damit hat der US-Kabelsender Newsmax einen der spektakulärsten Börsenstarts der vergangenen Jahre hingelegt.
Noch vor der Eröffnung der New Yorker Börse (NYSE) war die Nachfrage nach dem konservativen Medienhaus so hoch, dass sich der Ausgabepreis binnen Stunden vervielfachte. In der Vorbörse stieg der Kurs am Folgetag auf über 106 Dollar.
Doch was steckt hinter dem IPO-Hype? Ein klassischer Wachstumswert ist Newsmax nicht. Das Geschäftsmodell ist etabliert, der Markt eng – aber der Moment politisch aufgeladen. Genau davon profitiert das Unternehmen derzeit massiv.
Wahljahr, Weltanschauung, Wachstumsfantasie
Newsmax ist nicht einfach ein Fernsehsender – es ist eine Marke für ein bestimmtes Amerika: republikanisch, trumpnah, regierungskritisch. Und mit dem Wahlsieg Donald Trumps Anfang 2025 hat das Unternehmen Rückenwind bekommen, wie ihn keine Pressemitteilung liefern könnte.
Der Sender verzeichnet seitdem wachsende Einschaltquoten, vor allem bei konservativen Zuschauern, die Fox News als zu weich empfinden.
CEO Christopher Ruddy ließ bei der IPO-Ankündigung keinen Zweifel daran, dass er die Lücke im Mitte-rechts-Medienmarkt sieht – und füllen will. Fox News sei dort „ohne ernsthafte Konkurrenz“. Newsmax will genau das ändern. Aktuell liegt der Sender laut Nielsen auf Platz vier der US-Kabelnachrichtensender – hinter Fox, CNN und MSNBC.

Ein Sender, viele offene Fragen
Dass Newsmax mit rund 300 Millionen US-Dollar Kapital aus Vorzugsemissionen und IPO gut aufgestellt ist, mag kurzfristig die Fantasie beflügeln. Doch wirtschaftlich bleibt der Sender ein riskantes Investment.
Die Plattform lebt stark von ihrer politischen Nähe zu Trump – was für Sichtbarkeit sorgt, aber Investoren auch angreifbar macht.
Denn politische Konjunkturen sind keine verlässliche Grundlage für stabile Geschäftsmodelle. Sollte sich die Stimmung drehen – etwa bei einem republikanischen Wahldebakel 2026 – könnte der Hype rasch kippen.
Zudem ist die digitale Strategie von Newsmax bislang unterentwickelt. Während Konkurrenten längst auf Multiplattform-Content und eigene Streamingangebote setzen, bleibt das Unternehmen stark linear orientiert. Ein Problem, gerade bei jüngeren Zielgruppen.
IPO als Symbol – nicht als Substanz
Der 700-Prozent-Sprung ist vor allem ein Momentum-Trade, getrieben von politischer Euphorie und Knappheit der angebotenen Aktien (nur 7,5 Mio. Stück). Die Bewertung von über 1 Milliarde Dollar auf Basis eines TV-Senders mit vergleichsweise begrenztem Marktanteil wirft Fragen auf – insbesondere in einem schwierigen Werbemarkt, in dem selbst etablierte Medienunternehmen zu kämpfen haben.
Analysten warnen deshalb bereits vor einem möglichen Rückschlag. „Der IPO ist kein Beweis für nachhaltige Marktstärke – sondern ein Stimmungsbarometer in einem emotional überhitzten politischen Umfeld“, sagt ein US-Medienanalyst gegenüber IW.